Die Frage, warum eine Doula dir zu einer sicheren und positiven Geburtserfahrung verhelfen kann, will ich an dieser Stelle gar nicht selbst beantworten, sondern den großen Pionieren in der positiven Geburtsbewegung, von denen ich selbst so viel gelernt habe, überlassen:

„Ich bin doch in der Klinik mit Hebammen und Ärztinnen gut versorgt.“

Vielen Menschen ist nicht klar, dass ein geburtshilfliches Team aus Hebammen und Ärztinnen gleichzeitig viele Patientinnen betreut. Eine Hebamme betreut sogar oft drei, vier oder mehr Frauen gleichzeitig.(1) Den meisten Frauen fehlt es in vielen Phasen der Geburt an fachkundigem Beistand. … Die Geburtserfahrung wird so – trotz aller Verbesserungen – immer noch von Einsamkeit und seelischem Stress geprägt, da Frauen und ihre Partner während der Geburt weitgehend auf sich selbst gestellt sind.

Zusammen mit der Fokussierung auf rein technisch-medizinische Aspekte in der Schwangerenbetreuung kommt es zu einer Situation, in der es von Vielem zu viel und von Wichtigem zu wenig gibt:

„Die derzeitige Versorgung von Schwangeren und Gebärenden fokussiert vorrangig eine medizinisch-technische Überwachung sowie einen übermäßigen Einsatz klinischer Tests und verbraucht dabei unnötige wichtige Ressourcen finanzieller und personeller Art. Psychosoziale und emotionale Bedürfnisse der Schwangeren werden nicht ausreichend wahrgenommen, Verunsicherungen durch die Untersuchungsergebnisse nicht aufgefangen. Bei der Geburt sind kontinuierlicher Beistand, Vertrauen und Sicherheit wesentliche Faktoren, die die Frau darin unterstützen, die Wehen zu bewältigen und aus eigener Kraft und selbstbestimmt ihr Kind zu gebären. Frauen in Deutschland beklagen, dass Personalknappheit und Technikorientierung in der klinischen Geburtshilfe der wichtigen Stärkung physiologischer Vorgänge rund um die Geburt viel zu oft entgegenstehen. Ihnen fehlt eine persönliche Betreuung in den Tagen und Stunden vor der Geburt. Derzeit können dies weder die Geburtsklinik noch freiberufliche Hebammen oder niedergelassene FrauenärztInnen gewährleisten. Zudem begünstigen klinikinterne Prozesse und Strukturen des Gesundheitssystems Interventionen bis hin zu Kaiserschnitten, welche kurz- und langfristige Probleme nach sich ziehen können. … Ein negatives Geburtserleben oder eine als traumatisch erlebte Geburt führt zu einer langfristig schlechteren gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Unnötige Interventionen verletzen das Recht auf Selbstbestimmung – dies kommt einer fortgesetzten Verletzung von Frauenrechten gleich!“(2)

(1) Mother Hood e . V. - Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt und 1. Lebensjahr

(2) Positionspapier der Fachgruppe Hebammen im Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.

 

„Mein Partner ist dabei und unterstützt mich.“

Das ist auch sehr wichtig und gut, denn er bietet eine sehr wertvolle emotionale Unterstützung. In den meisten Fällen hat der Partner jedoch nicht sehr viel Erfahrung mit dem Thema Geburt – meist sogar noch viel weniger als die gebärende Frau selbst. So wird er während der Geburt mit seinen ganz eigenen Unsicherheiten und Ängsten konfrontiert, wird vom Geschehen vielleicht verunsichert und kann die Empfindungen, durch die seine Partnerin geht, nicht einordnen. So profitiert er ebenso von der Begleitung durch eine Doula: Sie kann auch ihm jederzeit Rückversicherung geben, dass alles in Ordnung ist, sie kann ihm Anleitung geben wie er seine Partnerin am besten unterstützen kann und ihm auch einmal eine Pause ermöglichen, wenn er sie braucht.

 

„Früher ging es doch auch ohne.“

Nein, ehrlich gesagt tat es das nicht. Und wenn, dann nur während eines ganz klitzekleinen Moments in der Menschheitsgeschichte, und dieser war nicht unbedingt positiv.

Schon immer standen Frauen anderen Frauen während der Schwangerschaft und Geburt bei. Auf fast allen Abbildungen von Geburt aus früheren Zeiten sieht man, dass die werdende Mutter – neben der Hebamme – noch andere Frauen dabeihatte, die ihr halfen. Diese sorgten für die Gebärende, unterstützen, wo es nötig war und standen ihr mit ihrer eigenen Erfahrung bei. Erst als Geburt fast vollständig ins Krankenhaus verlagert und somit aus dem familiären Umfeld entfernt wurde, fiel diese weibliche Unterstützung für die Gebärende weg.

Eine Doula nimmt diese alte Tradition wieder auf.

 

„Eine Geburt ist eben kein Spaziergang.“

Das stimmt, bei einer Geburt vollbringt dein Körper Höchstleistungen und es kann dich an die Grenzen deiner körperlichen und mentalen Fähigkeiten bringen. Ina May Gaskin, die für ihre Arbeit als Hebamme den alternativen Nobelpreis bekommen hat, sagt „Geburt ist der Mount Everest der Körperfunktionen“.

Wenn du den Mount Everest besteigen wolltest, würdest du einfach draufloslaufen? Oder würdest du dir vorher einen Plan machen, dir vorher überlegen was du alles brauchst, dich mental einstimmen und vielleicht sogar einen erfahrenen Bergführer, dem du voll und ganz vertraust, mitnehmen?

Warum dann nicht auch für die Geburt? Es gibt sehr, sehr viel, das wir tun können, damit die Geburt für dich schöner wird!

Ina May Gaskin, die für ihre Arbeit als Hebamme den alternativen Nobelpreis bekommen hat, sagt: "Die Erfahrung, wann und wie auch immer Sie gebären, wird Ihre Gefühle, Ihre Gedanken, Ihren Körper und Ihren Geist für den Rest Ihres Lebens beeinflussen."

Du bist es wert, dass diese Erfahrung so positiv wie möglich wird.

 

„Eine Doula ist viel zu teuer.“

Eine Doula begleitet dich in einer der intensivsten und sensibelsten Phasen deines Lebens. Sie bleibt an deiner Seite bis dein Baby geboren ist und schaut einzig und allein darauf, wie es dir seelisch geht. Das ist eine sehr intensive Arbeit.

Und andersrum: Wieviel Geld geben Eltern rund um Kinderwagen, Babyausstattung, etc. aus? Wieviel Mühe, Zeit und Geld stecken sie später in die Planung der Geburtstage ihrer Kinder? Nun, der Erste ist der wichtigste Geburtstag im Leben deines Kindes. Er kann das ganze restliche Leben beeinflussen – daher sollte er mindestens ebenso intensiv vorbereitet werden wie alle anderen.

Am Ende bleibt es eine Frage der Wertigkeit:

  • Was bin ich mir als Gebärende wert?
  • Was ist mir meine Geburtserfahrung und das meines Kindes wert?
  • Und ganz ehrlich: Ein positives Geburtserlebnis ist unbezahlbar.

 

„Ich gebäre im Geburtshaus oder Zuhause, da brauche ich keine zusätzliche Doula“

Im Geburtshaus oder Zuhause hast du natürlich eine wunderbare 1:1 Betreuung durch eine Hebamme. Daher gestaltet sich die Rolle der Doula hier zurückhaltender: Sie unterstützt die Gebärende und auch die Hebamme wo es notwendig ist, sie trägt für mehr weibliche Energie und Zuversicht für die Geburt bei; sie ist für den Partner da, vielleicht auch für Geschwisterkinder. Und sollte eine Verlegung ins Krankenhaus notwendig sein, kann die Doula auch dorthin mitgehen. So hat die Gebärende auch im Falle des Plan B stets eine ihr vertraute Person an ihrer Seite, die ihre Wünsche und Bedürfnisse kennt.